Konkurrenz tötet. Wir überleben gemeinsam oder gar nicht – Weitere Überlegungen zur Destruktivität als gegen das Leben gerichtete Kraft

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Auf den „Nachdenkseiten“ findet sich ein aufwühlendes Interview mit dem Journalisten Wolfgang Koschnick über die Krise der Demokratie. Er beschreibt darin sehr eindrücklich, wie in unserer Demokratie die Regierung und der Staatsapparat längst nicht mehr das Volk vertreten, sondern ihre eigenen Interessen gegen zumindest große Teile des Volkes (was sich u.a. in den zurückgehenden Wahlbeteiligungen ausdrückt) und er meint dazu:

„Dem liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass auch ein Politiker, ebenso wie jeder andere Mensch, seinen eigenen Nutzen zu maximieren versucht. In der Politik und in der Bürokratie besteht der Nutzen indes nicht allein in Geld, sondern ebenso in Macht, Wiederwahl, Medienapplaus, Pfründen, Privilegien, der Zahl der Untergebenen und höherem Budget.“

Ich finde es immer besonders interessant, welche Ursachen in solchen Analysen für die festgestellten Fehlentwicklungen ausgemacht werden. Warum versucht „ein Politiker ebenso wie jeder andere Mensch seinen eigenen Nutzen zu maximieren“, wenn es doch auf die Dauer in den Untergang aller führt, wie Wolfgang Koschnick feststellt:

„Die gestern und heute lebenden Generationen haben die Einkünfte künftiger Generationen schon heute aufgezehrt und zehren sie ungerührt weiter auf. Der Mittelstand wird in einem sich über Jahrzehnte erstreckenden Prozess buchstäblich zwischen den Fronten zerrieben – als direkte Folge des demokratischen Systems; denn er ist die einzige verbliebene große Sozialschicht, die einstweilen noch ohne gar zu großes Risiko ausgesaugt werden kann. Doch wie lange noch? Die Unterschicht ist weitgehend zerschröpft und muss sogar vom Staat alimentiert werden. (…) Hier zeigt sich einmal mehr die selbstzerstörerische Eigendynamik der entwickelten Demokratien. Die einzige Bevölkerungsschicht, auf der das politische und wirtschaftliche System dauerhaft ruht, wird nach und nach von den Rändern her angefressen und aufgezehrt. Und das wird so lange gehen, bis die Mittelschicht im Kern vernichtet ist.“

Wolfgang Koschnick liefert keine Erklärung für die Ursachen. Er sagt dazu lediglich: „Es ist dies aber nicht das Werk eines finsteren Diktators, der sein Volk aussaugt. Es ist das Werk einer auf dem Boden des repräsentativen Parteienstaats gedeihenden, teils gewissenlosen, teils gleichgültigen und teils einfach auch nur hilflosen und unfähigen Politikerkaste, die sich ständig mehr mit sich selbst beschäftigt und der das eigene luxuriöse Hemd näher als die verschlissenen Hosen der breiten Bevölkerung ist.“

Und nach Lösungen gefragt antwortet er, er habe keine, es handle sich um eine Strukturkrise. „Man wirft mir mitunter vor, meine Kritik an den entwickelten repräsentativen Demokratien sei ja höchst berechtigt. Aber „bloß Kritik“ sei ja geistlos. Ich solle doch auch eine Lösung des Problems vorschlagen. Wer das sagt, hat noch nicht einmal im Ansatz begriffen, dass meine Kritik auf die in allen Demokratien in ein- bis zweihundert Jahren herangewachsenen, in Stein gemeißelten Strukturen zielt. Ich wäre ja schon froh, wenn die meisten Leute sich darüber im Klaren wären, dass die Demokratien der Welt auf den eigenen Niedergang zusteuern. Sie haben derzeit ja nur ein rudimentäres Bewusstsein dieses drohenden Untergangs. Mit lustigen Vorschlägen, die ein Autor aus einem kleinen Dorf am Bodensee dafür macht, wie man den Untergang der verkrusteten entwickelten repräsentativen Demokratien vermeiden könnte, könnte sich der Autor nur blamieren. Bedeutete das doch: „Mit ein paar ulkigen Tricks kommt man da wieder ‘raus!“. Man muss das noch einmal deutlich sagen: Es handelt sich um eine schwerwiegende STRUKTURKRISE.“

Ich glaube, die Ursache dieser Strukturkrise und die Tatsache dafür, dass Wolfgang Koschnick keine Lösungsvorschläge für sie hat, liegen in dem offensichtlich auch von ihm nicht hinterfragten Menschenbild, dass nämlich, wie er meint, jeder Mensch von Natur aus nur seinen eigenen Nutzen zu maximieren sucht. Mit einem solchen Bild eines naturgegebenen Egoismus, in dem andere Menschen zwangsläufig Konkurrenten sind, bleibt angesichts der daraus resultierenden Missstände nicht viel mehr als Resignation.

Diesem vom (Sozial-)Darwinismus geprägten Menschenbild widersprechen neuere Untersuchungen wie z.B. die an Kleinkindern von Michael Tomasello und Felix Warneken am Max-Planck-Institut Leipzig und an der Universität Harvard. Sie zeigen, dass fast alle Kinder von sich aus und ohne Belohnung versuchen, anderen, die vorgeblich in Not sind, zu helfen: „Auf der Grundlage psychologischer Studien zeigt Warneken seit einigen Jahren, dass, entgegen der weitverbreiteten entwicklungspsychologischen Annahme, altruistisches Handeln nicht in erster Linie Effekt eines Sozialisierungsprozesses, sondern eine intrinsische Fähigkeit des Menschen sei. Bereits in frühester Kindheit ist zu beobachten, dass Kinder nicht nur einander sondern auch Erwachsenen helfen und zwar ohne erwartbare Belohnungen oder vorherige Differenzierungen derjenigen, denen sie helfen. Es scheint also vielmehr, als setze gerade erst die Vergesellschaftung des Kindes dieser bedingungslosen Hilfsbereitschaft Grenzen und präge dadurch menschlichen Interaktionen das Kalkulationsprinzip eigenen Nutzens ein.“ (Aus der Ankündigung eines Vortrages an der Universität Heidelberg). Ein Video dazu gibt es hier. (Ich finde es besonders bemerkenswert, dass die Kinder helfen, obwohl ihre mit anwesenden Mütter nichts tun.)

Die Frage ist also, welche offensichtlich nicht intrinsischen Kräfte das sind, die der bedingungslosen Hilfsbereitschaft Grenzen setzen und der menschlichen Interaktion das Kalkulationsprinzip des eigenen Nutzens einprägen. Bei der Antwort auf diese Frage helfen zwei erkenntnistheoretische Vorschläge: Die Bibel meint: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, wir können aber mit Helmut Kohl auch einen zeitgenössischeren Autor bemühen: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“ meinte er, und ich finde, er hat recht.

Was kommt hinten raus bei einem Menschenbild, das davon ausgeht, dass wir alle Konkurrenten sind?

– Es kommen die von Wolfgang Koschnick beschriebenen und von uns allen erlebten politischen und gesellschaftlichen Missstände und Krisen heraus.
– Es kommen Kriege um die Vorherrschaft über Rohstoffe heraus, in denen viele Menschen sterben und unsägliches Leid verursacht wird.
– Es kommen Fremdenfeindlichkeit, Faschismus und Rassismus heraus.
– Es kommen Kämpfe um Arbeitsplätze und an Arbeitsplätzen heraus, einhergehend mit Mobbing, Burnout, Depressionen und Suiziden (in Spanien ist die Suizidrate seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 um 20% gestiegen).
-Es kommen krankmachende und tödliche Arbeitsbedingungen in Ländern heraus, in denen die Rohstoffe für Konsumartikel ab- und angebaut werden und diese hergestellt werden.
– Es kommen Beziehungsunfähigkeit und -trennungen heraus, unter denen nicht nur die Partner sondern vor allem auch deren Kinder leiden, denn jede/r muss nicht nur ständig den eigenen Marktwert testen sondern auch den des Partners / der Partnerin an möglichen Besseren messen.
– Und es kommt vor allem die Zerstörung der Natur und damit unserer Lebensgrundlagen heraus, auf die wir aus Gründen der nationalen Wettbewerbsfähigkeit und der persönlichen Konkurrenz im Konsumverhalten mit Freunden, Kollegen und Nachbarn keine Rücksicht nehmen können.

Es besteht kein Zweifel, der Geist der Konkurrenz und des Wettbewerbs behindert und zerstört das Leben während er vorgibt es zu fördern. Es wird unter der Herrschaft dieses Geistes auch kein „Survival of the Fittest“ also kein Überleben der Stärksten geben, weil er keine Rücksicht kennt und nicht aufgibt, bis niemand mehr übrig ist; auch die jeweiligen „Sieger“ müssen sich wiederum gegenseitig bekämpfen. Und weil er nicht nur die Menschen selbst sondern auch die Grundlagen des Lebens zerstört.

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel beim Menschenbild, mit dessen Hilfe es wieder möglich ist, das, was uns dazu bringt, uns (selbst-)zerstörerisch zu verhalten, zu erkennen und uns davon zu distanzieren. Wir müssen tatsächlich wieder werden wie die Kinder, die von diesem destruktiven Konkurrenzgeist noch nicht infiziert sind. Sonst werden wir nicht überleben.

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Die Rettung der Welt durch Essen – zum Zweiten

Heuer schaffe ich es nicht, zur Demonstration für eine vernünftige Landwirtschaft anlässlich der „Grünen Woche“ nach Berlin zu fahren. Der folgende Blogeintrag ist ein Versuch, trotzdem einen Beitrag zu diesem Thema zu leisten. Der Text entstand, weil ich bei Einladungen oder im Restaurant immer wieder gefragt werde, warum ich mich vegan ernähre und ich dann meistens die Fakten und Zahlen, die mich dazu bewegt haben, nicht aus dem Gedächtnis wiedergeben kann. Ich nehme dann diesen Text als Merkhilfe und schicke ihn ggf. auch jemandem als PDF.

Warum ich mich vegan ernähre
Offensichtlich hat die Art der Ernährung mehr Einfluss auf Umwelt, Klima und Hunger in der Welt, als alle sonstigen Faktoren. Das weitaus Effektivste, was ein einzelner Mensch zur Rettung der Erde tun kann, ist nicht Bahnfahren, Papier recyceln oder Strom sparen, sondern richtig essen. Und das bleibt tatsächlich in der persönlichen Verantwortung jedes Menschen, denn es wird keine Gesetze geben, die uns vorschreiben, was wir essen dürfen, und der Markt wird das produzieren, was er verkaufen kann.

51 % aller klimaschädlichen Emissionen entstehen durch die Produktion tierischer Nahrungsmittel, also mehr als durch alle anderen Faktoren wie Verkehr, Industrie und sonstiger privater Konsum zusammengenommen.
(Studie des Worldwatch-Instituts, durchgeführt von Umweltspezialisten der Weltbank)

Die Klima-relevanten Emissionen eines durchschnittlichen Alles-Essers werden laut Foodwatch
– durch vegetarische Ernährung inklusive Eiern und Milchprodukten auf die Hälfte
– durch konventionell angebaute pflanzliche Ernährung auf 1/8
– durch pflanzliche Ernährung mit Bio-Produkten auf 1/17 reduziert.

In den letzten Jahrzehnten sind 2/3 der Urwälder der Erde abgeholzt worden.
Die Welternährungsorganisation FAO der UN stellte in einer 2006 veröffentlichten Studie fest
– dass 70 % des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden und ein Großteil der restlichen 30 % für Futtermittelanbau verwendet wird
– dass 70 % der weltweiten landwirtschaftlichen Flächen für die Viehhaltung verwendet werden
– dass auf der Fläche eines Grundstückes, die benötigt wird, ein Kilo Fleisch zu erzeugen, im selben
 Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln angebaut werden könnten
– dass für die Erzeugung von 1 Kilo Fleisch bis zu 16 kg Getreide verfüttert werden.
Durch pflanzliche Ernährung rettet ein Mensch jährlich 4 Quadratkilometer Wald.

50 % der Weltgetreideernte und 90 % der Weltsojaernte werden zur Fütterung von Nutztieren verwendet.

Für 1 Kilo Fleisch werden 15 000 Liter Wasser, für einen Liter Kuhmilch 1000 Liter Wasser benötigt. Eine Ernährung mit pflanzlichen Lebensmitteln spart im Vergleich zur Ernährung mit tierischen Produkten pro Jahr bis zu 5 Millionen Liter Wasser.

Allein die Nutztiere der USA produzieren 130 mal mehr Ausscheidungen als die gesamte menschliche Population (40 000 kg pro Sekunde). Die Exkremente von Nutztieren führen zu großen Umweltbelastungen, z.B. zur Belastung des Grundwassers und der Böden mit Nitrat, aber auch mit Rückständen von Medikamenten wie Antibiotika und Hormonen, die in der Tierzucht eingesetzt werden. Das in ihnen enthaltene Ammoniak ist wesentlich am sauren Regen und damit am Waldsterben beteiligt.

Ein Großteil des Hungers in der Welt hat mit dem Konsum tierischer Produkte zu tun: durch die Herstellung von zum Export bestimmtem Fleisch direkt, oder durch den Anbau von zum Export bestimmten Futtermitteln auf den Flächen, auf denen pflanzliche Lebensmittel für die Menschen vor Ort oder auch zur Lieferung in von Trockenheit betroffene Gebiete produziert werden könnten. Der Guardian schrieb dazu am 24.12.2002: „Es scheint jetzt offensichtlich, dass eine vegane Ernährung die einzig ethische Antwort auf das weltweit wohl dringlichste Problem sozialer Gerechtigkeit ist.“

Jedes Jahr werden weltweit über 50 Milliarden Nutztiere und hunderte Milliarden Meerestiere für die menschliche Ernährung getötet. Der Fischbestand in den Meeren ist in letzter Zeit um 
90% zurückgegangen.


Quelle: Greenpeace Österreich

Treibhauseffekt der Herstellung von LebensmittelnQuelle: Foodwatch Deutschland

Vergleich: Landverbrauch zur Produktion von 1 kg Nahrungsmittel
Quelle: Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus

Gedanken zur Atomkatastrophe in Japan

Allenthalben, selbst von ehemaligen Gegnern der Anti-Atomkraft-Bewegung, wird nun propagiert, die Energieversorgung müsse schneller auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Die Katastrophe in den Kernkraftwerken in Japan ist aber nicht Ausdruck der falschen Methoden der Energieerzeugung. Sie ist Ausdruck der Krise einer mittlerweile global gültigen Ideologie gemäß derer der Sinn (im entsprechenden materialistischen Jargon: die Funktion) des menschlichen Lebens darin besteht, zu konsumieren statt zu denken, oder um es mit Erich Fromm zu sagen, zu haben statt zu sein.Weiterlesen »

Muttis Sauerbraten und der Untergang der Welt – Vom Glück und von den Schwierigkeiten durch Essen die Umwelt zu schützen


Sonntag, 10. Oktober 2010

Vor eineinhalb Jahren habe ich beschlossen, mich vegan zu ernähren. Ausschlaggebend war ein Zeitungsartikel, in dem die CO2-Bilanzen verschiedener Ernährungsweisen verglichen wurden. Weitere Recherchen führten zu einem eindeutigen Bild:

Entsprechend einer Studie des Worldwatch-Instituts entstehen 51% der klimaschädlichen CO2- und Methan-Emissionen durch die Nutztierhaltung. Foodwatch Deutschland hat errechnet, dass vegetarische Ernährung inklusive Milchprodukten und Eiern etwa die Hälfte der klimaschädlichen Emissionen eines durchschnittlichen Fleischessers verursacht, bei veganer Ernährung mit konventionell angebauten Lebensmitteln sind es noch knapp 1/8 und bei einer Umstellung auf Bio-Pflanzenkost sind es sogar nur noch 1/17. Andere Quellen kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Ich glaubte ihnen. Ich war bereits seit über 20 Jahren Vegetarier, also schien mir der Schritt hin zu pflanzlicher Kost aus Umweltschutzgründen eine logische Entwicklung.

Ich traf die Entscheidung und verwirklichte sie sofort. Es war überraschend leicht. Weiterlesen »

Wertewende statt Energiewende – Gedanken über eine neue Definition von Wachstum


Sonntag 19. September 2010

Gestern war ich auf der Demonstration gegen die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke in Berlin. Wie immer nach der Teilnahme an solchen Ereignissen fühle ich wieder etwas Hoffnung für die Welt, bin froh, hautnah gespürt zu haben, dass es Menschen gibt, die bereit sind, sich für eine bessere Welt einzusetzen, ihre Meinung zu zeigen, auch wenn sie dafür ihre Freizeit opfern müssen und es sie Geld kostet. Nach der Demonstration, beim Warten auf den Zug zurück nach München sah ich am Bahnsteig zwei Frauen, die bei der Hinfahrt am Vormittag mit mir im selben Abteil gewesen waren. Sie trugen jetzt wie ich Buttons, die sie als Teilnehmerinnen der Demonstration auswiesen und wir freuten uns zu erkennen, dass wir offensichtlich zum selben Zweck angereist waren. Ich begrüßte sie mit: „13 Stunden Zugfahrt für 4 Stunden Demonstration“ und eine der beiden erwiderte lachend in breitem bayerisch: „Wenn wir das Klump damit wegkriegen, ist es nicht zuviel oder?“ Sie waren so wie ich offensichtlich zufrieden mit dem, was sie getan hatten. Bei der Recherche zur Demonstration im Internet finde ich in Kommentaren von Teilnehmern genau dieses Gefühl: „Ich bin froh, dass ich da war, es war eine gute Erfahrung.“ Mir fällt bei solchen Gelegenheiten immer wieder auf, wie befriedigend es offensichtlich ist, sich für seine Überzeugung einzusetzen und sich dazu mit anderen zusammenzufinden oder auseinanderzusetzen. Damit wird eine Alternative zu dem deutlich, was den Menschen in unserer Gesellschaft üblicherweise ein gutes Gefühl geben soll: der Konsum von materiellen Gütern.Weiterlesen »

Humanismus statt Materialismus – Gedanken über neue Werte in einer globalisierten Welt


Sonntag 13. Juni 210
 

Eicke R. Weber, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme schlägt angesichts des Scheiterns der internationalen Klimapolitik beim Klimagipfel 2010 in Bonn in der SZ vor, statt der nach Verzicht klingenden Forderung „Verringerung der Emissionen“ als Ziel lieber die hundertprozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien für alle Länder zu setzen. Dieser Vorschlag ist sicher richtig, trifft aber nicht den Kern der Probleme in der Umweltpolitik. Denn selbst wenn alle Länder ihren Energiebedarf ausschließlich aus erneuerbaren Energien decken würden, bliebe das Problem der Gerechtigkeit, also der Angleichung des Lebensstandards. Und es ist kaum vorstellbar, dass alle Bewohner dieser Erde so leben, wie die Deutschen oder gar die US-Amerikaner.Weiterlesen »

Wir machen den Wandel in der Klimapolitik selbst – Gedanken zum Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen


Donnerstag, 31. Dezember 2009

Der Text entstand als Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung und erschien auszugsweise in der Ausgabe vom 24.12.09.

In Kopenhagen hat sich gezeigt, dass unser Hoffen, die Politiker könnten uns retten, vergeblich ist. Sie sind in dieselben Widerstände gegen Veränderung verstrickt, wie wir Normalbürger. Das Grundprinzip dieser Widerstände lautet: Ich verändere mich nicht, wenn es nicht (zuerst) der andere tut. Warum sollen wir Deutsche, Europäer usw. Zugeständnisse in der Klimapolitik machen, wenn die USA, China, die Schwellenländer usw. nichts tun? Warum soll ich als kleiner Bürger etwas verändern, wenn alle andern so weitermachen wie bisher, wenn die Politiker, Industriekonzerne usw. nichts tun.

Die Erkenntnis der Ökologie, dass „ich“ und „wir“ vom Rest der Welt nicht zu trennen sind sondern mit ihr in Wechselwirkung stehen, und dass deshalb jeder selbst die Verantwortung für sein Handeln trägt und diese Verantwortung nicht an Eltern, Politiker oder Gott abgeben kann, scheint für uns immer noch schwer annehmbar zu sein. Weiterlesen »