Paar-Ikonen gestern und heute – Gedanken über die Veränderung im Verhältnis der Geschlechter


Samstag 20. März 2010

Im Musik-Blog der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Interview mit Suze Rotolo, der ehemaligen Freundin von Bob Dylan, die mit ihm zusammen auf seinem 1963 erschienenen Album „The Freewheelin’ Bob Dylan“ (das mit „Blowin’ in the Wind“) abgebildet ist. Obwohl ich das Album seit langem kenne, habe ich erst jetzt das Foto bewusst betrachtet und es berührt mich sehr.

Man sieht die beiden wie sie bei Schnee und offensichtlicher Kälte auf einer NewYorker Straße laufen. Bob Dylan trägt eine zu dünne Wildlederjacke von der er zudem nur zwei Knöpfe zugeknöpft hat, er hat die Hände in den Taschen und schaut auf den Boden während seine Freundin, die dem Wetter entsprechend gekleidet ist, in die Kamera blickt und „so ungemein sympathisch lächelt und sich an ihren frierenden Freund schmiegt“ wie Johanes Waechter der Autor des Blogs schreibt. Es ist ein sehr sprechendes Bild. Der Mann zeigt seine Männlichkeit indem er die Kälte ignoriert (obwohl er sichtlich friert), er nimmt keinen Kontakt mit dem Betrachter (Fotografen) auf, und auch nicht mit seiner Freundin. Die Frau schaut offen und freundlich in die Kamera und versucht ihrem Freund die ihm sichtlich fehlende Wärme zu geben – so weit er es eben zulassen kann: Fast beschützend umfasst sie seinen linken Arm mit ihren Armen, den daran hängenden, vorauseilenden Mann nicht wirklich erreichen könnend.

Der Titel des Beitrags „Ich wollte nicht Bobbys Puppe sein“ zeigt, dass Suze Rotolo unter dieser Geschlechter-Dynamik gelitten hat und die Beziehung deshalb beendet hat. Wie im Interview deutlich wird, hat sie sich emanzipiert, ohne ihre Ideale zu verraten und ohne ihre Achtung vor der künstlerischen Leistung Bob Dylans zu verlieren. Bei aller Tragik des Nicht-Zusammen-Kommens, die dieses Foto ausstrahlt, hat es eine tiefe Poesie und es bleibt ein Hauch von Optimismus beim Betrachten: Suze Rotolo wirkt lebensfroh und liebesfähig, Bob Dylan bei aller männlichen Attitüde zumindest verletzlich.

Wie anders wirken im Gegensatz dazu die Fotos der heutigen Paar-Ikone David und Victoria Beckham. Die Beiden kommen mir auf Fotos völlig beziehungslos vor. Sie haben es aufgegeben, einander erreichen zu wollen und inszenieren stattdessen ihre Konkurrenz um ihren Warenwert. Beide interessieren sich offensichtlich nur für ihre jeweils eigene narzisstische und materielle Bestätigung. Victoria Beckham wirkt dabei fast noch abweisender und kälter als ihr Mann. Verglichen mit ihr ist selbst der „freewheelin’ Bob Dylan“ von 1963 geradezu rührend menschlich in seiner etwas hilflosen Männlichkeitsattitüde.

Ist das der Fortschritt im Verhältnis der Geschlechter, dass Frauen den Männern nicht mehr nachlaufen müssen, weil sie nun genauso beziehungsfähig sein dürfen wie diese? Und dass Männer ihre Beziehungsunfähigkeit jetzt unter Etiketten wie „metrosexuell“ oder „Macho-Style“ genauso materiell aufwendig zur Schau tragen müssen wie seit langem Frauen ihre Pseudoweiblichkeit?

Links:

Foto des Albums „The freewheelin‘ Bob Dylan“ und Interview mit Suze Rotolo im Musikblog der SZ:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/musikblog/suze-rotolo-im-interview-ich-wollte-nicht-bobbys-puppe-sein/#more-2112

Fotos von Victoria und David Beckham bei gala.de:
http://www.gala.de/beauty_fashion/fashion/67927/Victoria-Beckham-und-David-Beckham-Mein-Stil-ist-dein-Stil.html?cp=5&back_link=%2Fbeauty_fashion%2Fbeauty%2F67908%2FVictoria-Beckham-und-David-Beckham-Gemeinsam-getrimmt.html#

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