Die Rettung der Welt durch Essen – zum Zweiten

Januar 21, 2012 § 4 Kommentare

Heuer schaffe ich es nicht, zur Demonstration für eine vernünftige Landwirtschaft anlässlich der „Grünen Woche“ nach Berlin zu fahren. Der folgende Blogeintrag ist ein Versuch, trotzdem einen Beitrag zu diesem Thema zu leisten. Der Text entstand, weil ich bei Einladungen oder im Restaurant immer wieder gefragt werde, warum ich mich vegan ernähre und ich dann meistens die Fakten und Zahlen, die mich dazu bewegt haben, nicht aus dem Gedächtnis wiedergeben kann. Ich nehme dann diesen Text als Merkhilfe und schicke ihn ggf. auch jemandem als PDF.

Warum ich mich vegan ernähre
Offensichtlich hat die Art der Ernährung mehr Einfluss auf Umwelt, Klima und Hunger in der Welt, als alle sonstigen Faktoren. Das weitaus Effektivste, was ein einzelner Mensch zur Rettung der Erde tun kann, ist nicht Bahnfahren, Papier recyceln oder Strom sparen, sondern richtig essen. Und das bleibt tatsächlich in der persönlichen Verantwortung jedes Menschen, denn es wird keine Gesetze geben, die uns vorschreiben, was wir essen dürfen, und der Markt wird das produzieren, was er verkaufen kann.

51 % aller klimaschädlichen Emissionen entstehen durch die Produktion tierischer Nahrungsmittel, also mehr als durch alle anderen Faktoren wie Verkehr, Industrie und sonstiger privater Konsum zusammengenommen.
(Studie des Worldwatch-Instituts, durchgeführt von Umweltspezialisten der Weltbank)

Die Klima-relevanten Emissionen eines durchschnittlichen Alles-Essers werden laut Foodwatch
- durch vegetarische Ernährung inklusive Eiern und Milchprodukten auf die Hälfte
- durch konventionell angebaute pflanzliche Ernährung auf 1/8
- durch pflanzliche Ernährung mit Bio-Produkten auf 1/17 reduziert.

In den letzten Jahrzehnten sind 2/3 der Urwälder der Erde abgeholzt worden.
Die Welternährungsorganisation FAO der UN stellte in einer 2006 veröffentlichten Studie fest
- dass 70 % des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden und ein Großteil der restlichen 30 % für Futtermittelanbau verwendet wird
- dass 70 % der weltweiten landwirtschaftlichen Flächen für die Viehhaltung verwendet werden
- dass auf der Fläche eines Grundstückes, die benötigt wird, ein Kilo Fleisch zu erzeugen, im selben
 Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln angebaut werden könnten
- dass für die Erzeugung von 1 Kilo Fleisch bis zu 16 kg Getreide verfüttert werden.
Durch pflanzliche Ernährung rettet ein Mensch jährlich 4 Quadratkilometer Wald.

50 % der Weltgetreideernte und 90 % der Weltsojaernte werden zur Fütterung von Nutztieren verwendet.

Für 1 Kilo Fleisch werden 15 000 Liter Wasser, für einen Liter Kuhmilch 1000 Liter Wasser benötigt. Eine Ernährung mit pflanzlichen Lebensmitteln spart im Vergleich zur Ernährung mit tierischen Produkten pro Jahr bis zu 5 Millionen Liter Wasser.

Allein die Nutztiere der USA produzieren 130 mal mehr Ausscheidungen als die gesamte menschliche Population (40 000 kg pro Sekunde). Die Exkremente von Nutztieren führen zu großen Umweltbelastungen, z.B. zur Belastung des Grundwassers und der Böden mit Nitrat, aber auch mit Rückständen von Medikamenten wie Antibiotika und Hormonen, die in der Tierzucht eingesetzt werden. Das in ihnen enthaltene Ammoniak ist wesentlich am sauren Regen und damit am Waldsterben beteiligt.

Ein Großteil des Hungers in der Welt hat mit dem Konsum tierischer Produkte zu tun: durch die Herstellung von zum Export bestimmtem Fleisch direkt, oder durch den Anbau von zum Export bestimmten Futtermitteln auf den Flächen, auf denen pflanzliche Lebensmittel für die Menschen vor Ort oder auch zur Lieferung in von Trockenheit betroffene Gebiete produziert werden könnten. Der Guardian schrieb dazu am 24.12.2002: „Es scheint jetzt offensichtlich, dass eine vegane Ernährung die einzig ethische Antwort auf das weltweit wohl dringlichste Problem sozialer Gerechtigkeit ist.“

Jedes Jahr werden weltweit über 50 Milliarden Nutztiere und hunderte Milliarden Meerestiere für die menschliche Ernährung getötet. Der Fischbestand in den Meeren ist in letzter Zeit um 
90% zurückgegangen.


Quelle: Greenpeace Österreich

Treibhauseffekt der Herstellung von LebensmittelnQuelle: Foodwatch Deutschland

Vergleich: Landverbrauch zur Produktion von 1 kg Nahrungsmittel
Quelle: Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus

Das Fürsorgeprinzip

Januar 1, 2012 § 3 Kommentare

Was macht es uns Menschen so schwer, selbst angesichts großer Krisen unser Leben zu ändern? Zunehmend habe ich den Eindruck, dass das Haupthindernis die menschliche Grundangst vor dem Anderssein und damit vor dem Ausgeschlossen-Werden ist. Unsere größte Angst als Menschen ist wohl die, nicht dazuzugehören. Wir sind am Anfang unseres Lebens darauf angewiesen, dass uns jemand als zu ihm gehörig annimmt und so bleibt es ein Leben lang – auch wenn wir später nicht mehr einseitig abhängig sind, sondern zugleich eine aktive Rolle im „Versorgungssystem“ spielen. Eine der psychisch verheerendsten Drohungen, die Eltern ihrem Kind gegenüber aussprechen können, ist die, dass es „in der Gosse landen“ werde. Letztlich steht auch hinter der Furcht vor dem Tod die Angst, rauszufallen aus der Welt, nicht mehr dazu zu gehören. Und sogar hinter der Angst vor Nähe steht die Bedrohung mit dem Verlust des Kontakts. Denn wenn man vom anderen zu sehr vereinnahmt wird, ist man quasi in ihm verschwunden und es gibt keinen wirklichen Kontakt und damit keine wirkliche Beziehung mehr zu ihm, was genauso einsam machen kann wie zu große Distanz.

Weil Menschen soziale Wesen sind, werden sie körperlich oder psychisch krank, wenn sie keinen Kontakt, keine Bindungen zu anderen Lebewesen haben. Viele Studien zeigen, dass nicht so sehr Wohlstand oder Armut an sich über Gesundheit und Wohlbefinden entscheiden, sondern die Frage, ob man sich in der Umgebung, in der man lebt, akzeptiert fühlt. In diesem Sinne kann man auch die Ergebnisse einer kürzlich in den Medien viel erwähnten Untersuchung verstehen, die zeigt, dass die Lebenserwartung von Geringverdienern geringer ist als die des Durchschnitts und sogar sinkt. Menschen, die sich abgewertet und als nutzlos aus der Gemeinschaft ausgeschlossen fühlen, vernachlässigen sich auch selbst. Diese Untersuchung widerlegt im Übrigen auch das Vorurteil, dass es Harz IV- Empfängern und Arbeitslosen auf Kosten der Allgemeinheit gut geht. In der Regel schämen sie sich für ihren Status und versuchen, bevor sie resignieren, sehr vieles, um wieder in die Gesellschaft rein zu kommen.

Aber nicht nur bei Ihnen kann man sehen, dass Menschen fast alles tun, um dazuzugehören:
- Jugendliche und sogar schon Kinder brauchen bestimmte Markenartikel, damit sie im Kindergarten in der Schule und in ihrer Clique nicht Außenseiter werden, und wir alle kaufen Dinge, weil wir glauben, sie haben zu müssen, um mit unseren Freunden, Kollegen und Nachbarn mithalten zu können
- alte Menschen haben Angst, zum „alten Eisen“ zu gehören und damit ausgeschlossen zu sein und es ist letztlich die Angst vieler Menschen, alleine nicht überleben zu können, die im Rahmen der aktuellen Wirtschaftskrisen immer wieder als “Zukunftsangst” bezeichnet wird
- Arbeitnehmer wehren sich an ihrem Arbeitsplatz nicht gegen krankmachende Bedingungen, sondern machen weiter bis zum „Burnout“, weil sie Angst haben rauszufliegen
- Firmen und Arbeitgeber haben Angst, vom Finanzmarkt als Verlierer entwertet zu werden
- Politiker treffen nicht die nötigen Entscheidungen, weil sie Angst haben, nicht mehr gewählt zu werden und dadurch aus den Parlamenten rauszufliegen
- Staaten haben Angst, ihr „Rating“ zu verlieren und aus Staatengemeinschaften und Währungsunionen ausgeschlossen zu werden.

Diese uns so bestimmende Angst hat mit dem Gedanken der Konkurrenz als Prinzip des Lebens zu tun: Es ist nicht genug Liebe, Nahrung, Kleidung, Platz für alle da. Ich muss also schauen, dass ich in der Gruppe der Gewinner bleibe, sonst vereinsame, verhungere und erfriere ich. Dieses Denken durchzieht unsere privaten Beziehungen genauso wie unsere Kultur, unsere Wirtschaft und unsere Politik. Meines Erachtens scheitern auch die Klimaverhandlungen regelmäßig an diesem Punkt: Die USA, China und Indien spielen nicht mit, weil sie Angst haben, global gesehen, rauszufliegen aus der Gruppe der „Sieger“ bzw. nicht reinzukommen. Wie stark unser Denken von diesem Konkurrenzprinzip bestimmt ist, kann man auch an der gängigen Kommunikation erkennen: Vieles von dem was gesagt wird, müsste einen die Erde abhörenden Außerirdischen zu dem Schluss veranlassen, dass hier eine Art Dauerkrieg herrscht: Da schreibt die FAZ: „Nach zähem Ringen im Gefecht um die Konsolidierung der Kabelbranche steht der klare Sieger fest“, Bundeskanzlerin Merkel sagt, angesichts des globalen Wettbewerbs sei es nicht einfach, dass Deutschland internationale Spitze werde und Männermagazine verraten wie man andere aussticht und „Top-Manager“ wird – von der Sportberichterstattung ganz zu schweigen.

Das Konkurrenzprinzip, das die Angst nicht mithalten zu können schürt, hat uns an den Rand des Untergangs gebracht. Es liegt deshalb auf der Hand, die Rettung auf dem Gemeinschaftsprinzip aufzubauen. Ich glaube, es ist kaum vorstellbar, welche Entspannung eintreten würde, wenn an die Stelle des allgemeinen Druckes, nach oben zu kommen, um nicht unterzugehen, als Leitmotiv der Grundgedanke treten würde, dass jeder Mensch unabdingbar zur menschlichen Gemeinschaft gehört und dass diese es als ihr oberstes Ziel ansieht, ihm das Überleben bis zu seinem natürlichen Tod zu sichern.

Alle privaten, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Handlungen könnten von diesem Gedanken geleitet werden, allen Menschen das Leben zu ermöglichen. Die zentrale Frage bei allen Theorien und Handlungen wäre dann: Dienen sie dem gemeinsamen Überleben? (Statt: verschaffen sie mir/uns einen Vorteil gegenüber anderen?). Dient dieses Abkommen, dieses Gesetz, die Herstellung dieses Produktes, dieser Markt, dieses Finanzsystem usw. dem gemeinsamen Überleben oder widerspricht es diesem Prinzip? Die Botschaft der Gemeinschaft und ihrer Institutionen an den Einzelnen lautet dann: Wir sorgen für Dich, damit du leben kannst, Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf hast. Egal ob du in Somalia oder in New York lebst, wer immer du bist, was immer du tust, du brauchst keine Angst zu haben, ausgeschlossen zu werden, zu verhungern, zu erfrieren oder ausgegrenzt zu werden, weil du auf jeden Fall zu uns, zur menschlichen Gemeinschaft gehörst. Die Menschheit ist an einem Punkt, an dem sie das sowohl organisatorisch wie auch technisch leicht verwirklichen kann. Aber im Denken, im Bewusstsein wäre das ein wirklicher „Paradigmenwechsel“ ein „neues Denken“, wie es derzeit von allen Seiten gefordert wird.

Im Sinne des alten Konkurrenz-Bildes, in dem der „Mensch des Menschen Wolf“ ist (das schon deshalb nicht stimmt, weil Wölfe Menschen nicht angreifen) kommt an dieser Stelle das Argument, dass dann ja entweder keiner mehr was tun würde oder zumindest ein Teil auf Kosten von anderen leben würde. Dagegen kann ich nur einwenden, dass alle Drohungen mit Ausgrenzung und alle tatsächliche Ausgrenzung nicht dazu führen, dass Menschen „gut“ werden, sondern im Gegenteil zu Angst, Misstrauen, Egoismus und Gewalt führen. Kein Mensch wird böse oder faul geboren. Es sind immer entsprechende Erfahrungen die zu problematischen Erlebens- und Verhaltensweisen führen. Gewalttäter haben in aller Regel selbst Gewalt erfahren. Menschen, die andere ausnutzen, wurden selbst in irgendeiner Form ausgenutzt und versuchen so einen Ausgleich zu schaffen. Und Menschen, die in ihrer Kindheit von anderen gut versorgt wurden, werden nicht zu egoistischen Wesen, sondern geben das, was sie erfahren haben, an andere weiter. Deshalb bin ich sicher, dass Menschen, die sich von einer Gemeinschaft sicher getragen fühlen, sehr viel fürsorglicher und auch kreativer handeln würden, als solche, die sich vom Ausschluss bedroht fühlen und aus Angst handeln.

Eine entsprechende Veränderung des Menschen- und Weltbildes zeichnet sich in einer Fülle von wissenschaftlichen Studien der letzten Zeit ab: etwa die Entdeckung der „Spiegelneuronen“ im Gehirn, die uns das fühlen lassen, was andere empfinden, oder eine Untersuchung die zeigt, dass sich die Gehirnwellen und andere physiologische Parameter von Menschen bei einem tiefen Gespräch synchronisieren und – besonders beeindruckend – die eine Studie zur Moral von Kindern, die zeigte, dass schon 18 Monate alte Babys versuchen zu helfen, wenn ein Mensch in Not ist, und ein Gefühl für Fairness haben.

Mir ist klar, dass die Proklamierung eines solchen Fürsorgeprinzips nicht von jetzt auf gleich zu einer anderen Welt führen würde, und dass es vermutlich bei der Umsetzung viele Schwierigkeiten geben würde, weil wir als Menschen nicht einfach umprogrammiert werden können. Ich glaube aber schon, dass die Einführung eines neuen Leitmotivs zu einer Umstimmung im globalen Denken und Handeln führen würde, die alle Bereiche des Lebens beeinflussen würde. Und ich glaube, wie gesagt, dass es zu einer unglaublichen Entlastung aller Menschen führen würde. Und ich denke, dass dieses Umdenken bereits im Gange ist. Dieser Blogeintrag ist nichts weiter als ein Beitrag dazu.

Wofür die Occupy-Bewegung eintreten kann: Ein neues Weltbild als Grundlage von Politik und Wirtschaft

November 6, 2011 § 6 Kommentare


… und das jedes Hundes natürlich auch.

Gestern brachte der Deutschlandfunk eine einstündige Reportage zur Occupy-Bewegung und es hat mich sehr beeindruckt, wie eine Gruppe junger Teilnehmer des Camps auf dem Frankfurter Börsengelände dem Versuch des Reporters widerstand, sie zu abwertenden Äußerungen über „die Banker“ zu provozieren. Sie seien gegen die bestehenden Strukturen aber sie wollten niemanden persönlich verunglimpfen, sie seien gewillt, mit jedem, auch mit den Repräsentanten dieser Strukturen, zu reden, so der standhaft beibehaltene Tenor ihrer Aussagen. Wenn sich diese Haltung in der neuen Protestbewegung durchsetzt, dann wäre das tatsächlich ein Heraustreten aus dem bestehenden System der Spaltung in gute und schlechte Menschen, die bislang alle Versuche der Veränderung und des Erhalts bestehender Verhältnisse prägt.

Es wird immer wieder kritisiert, dass die Occupy-Bewegung keine politischen und wirtschaftlichen Alternativen aufzeige und diese wehrt sich, indem sie entgegnet, dass sie sich in ihrem Protest nicht unter Leistungsdruck setzten lasse und sich von keiner bestehenden Richtung vereinnahmen lassen wolle. Diese Szene spiegelt die allgemeine Ratlosigkeit sowohl auf Seiten der Bewegung wie auch auf der ihrer Kritiker wider und es ist die besondere Tugend der Aktivisten, dass sie diesbezüglich ehrlich sind. Ich denke, dass es tatsächlich nicht mehr um das Aufzeigen von politischen und wirtschaftlichen Alternativen gehen kann, weil diese die bestehenden Strukturen nicht grundsätzlich in Frage stellen. Ich glaube, dass das Unwohlsein, dass derzeit viele Menschen verspüren, nicht mit dem Versagen von Politik und Wirtschaft zu tun hat, sondern mit dem Weltbild das diesem Versagen zugrunde liegt.

In diesem Weltbild sind wir isolierte Wesen, isolierte Staaten, isolierte „Währungsunionen“ ohne tieferen Sinn, die zwar in fataler Abhängigkeit von einander stehen aber letztlich doch Konkurrenten sind und gegeneinander kämpfen müssen, um nicht vom anderen gefressen oder entwertet und ausgestossen zu werden. Und die richtige Politik und die richtige Wirtschaft sollen das verhindern. Sie sollen dafür sorgen, dass wir genügend haben (Geld, Güter, Arbeit, Bevölkerung, Wachstum, umweltfreundliche Energie und Mobilität), damit wir den Konkurrenzkampf in einer feindlichen Umwelt bestehen können und uns nicht wert- und sinnlos  fühlen. Es ist dieses Weltbild, dass die gegenwärtigen Krisen hervorruft, die Ausbeutung der Erde, die Zerstörung der Umwelt, die Hungerkatastrophen und die immer weiter auseinander gehende Schere zwischen Reich und Arm.

Langsam wird deutlich, dass sämtliche bestehenden politischen und wirtschaftlichen Systeme für die derzeitige krisenhafte Entwicklung keine Lösungen haben. Es gibt weder in linken noch in rechten noch in mittleren „Lagern“ wirkungsvolle Konzepte gegen die globale Krise. (Vor kurzem ging die Meldung durch die Medien, dass das Ausmaß des Anstiegs des globalen CO2-Ausstosses trotz der weltweiten Bemühungen um Reduktion selbst die pessimistischsten Prognostiker überrascht habe.) Und auch die Rezepte der bestehenden Umweltbewegung haben letztlich fatale Auswirkungen, wenn etwa die Forderung nach erneuerbaren Energien dazu führt, dass die Industrie solche tatsächlich herstellt und dadurch über die Abholzung von Urwäldern und die Umnutzung landwirtschaftlicher Flächen die Umweltprobleme noch vergrößert, und wenn mit diesen Energien ein die Erde ausbeutendes Wachstum vorangetrieben wird, um die allseits beschworene „Konkurrenzfähigkeit“ zu erhalten.

Auch wenn ich mich in diesem Blog wiederhole: Ich hoffe, dass es der neuen globalen Bewegung gelingt, für etwas einzutreten, nämlich für ein neues Weltbild als Grundlage unseres politischen, wirtschaftlichen und sonstigen Handelns:
- für ein Weltbild in dem die Güter der Erde für alle reichen
- für ein wahrhaft ökologisches Weltbild in dem Lebewesen und Dinge nicht isoliert voneinander existieren, sondern alles mit allem zusammenhängt
- für ein Weltbild in dem klar ist, dass ich das, was ich dem anderen zufüge, mir selbst zufüge
- für ein Weltbild in dem die Würde aller Lebewesen als gegeben gilt
- für ein Weltbild in dem Wachstum vor allem als geistiges Wachstum gesehen wird
- für ein Weltbild in dem die Erkenntnisse der Physik über das Raum-Zeit-Kontinuum und über die Äquivalenz und die Unzerstörbarkeit von Energie und Materie in unsere Lebenspraxis einfließen und uns die Angst vor dem Tod nehmen, und in dem es deshalb Sinn macht, sich so zu verhalten, als würden wir ewig leben, statt zu glauben, dass nach uns ruhig die Sintflut kommen kann.
- für ein Weltbild in dem klar ist, dass wir Leben nicht machen können, sondern nur als Wunder verstehen können
- für ein Weltbild in dem alles einen Sinn hat, auch wenn wir ihn nur annäherungsweise erkennen können, und in dem es deshalb nichts Wertloses gibt.

Albert Einstein schrieb 1932: „Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir, wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität. In diesem Sinne bin ich religiös. Es ist mir genug, diese Geheimnisse staunend zu ahnen und zu versuchen, von der erhabenen Struktur des Seienden in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen.“

Wir brauchen ein Weltbild, in dem dieses „Gefühl des Geheimnisvollen“ den Platz einnimmt, den derzeit der Glaube an die Sinnlosigkeit unseres Lebens innehat – mit all seinen fatalen Folgen.

Vortrag zum 25. Geburtstag des Sub

November 6, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Für diejenigen, die sich dafür interessieren, gibt es hier einen Text, den ich in meiner Funktion als langjähriger Mitarbeiter des Münchner Schwulenzentrums Sub zu dessen 25. Geburtstag vorgetragen habe.

SZ-Artikel: Rettet die Welt vor den Weltrettern

Juni 8, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Mangels neuer eigener Gedanken hier ein Hinweis auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der mir aus der Seele spricht:
SZ: Rettet die Welt vor den Weltrettern

Zu den Reaktionen der Politik auf die Atomkatastrophe in Japan

März 15, 2011 § 1 Kommentar

Nun hat sich also herausgestellt, dass die Atomkraftwerke eines Landes, an dessen technischer Kompetenz bislang keine Zweifel bestanden, entgegen anderslautender Versprechungen nicht sicher sind. Es ist nur logisch, dass dadurch auch die entsprechenden Versicherungen anderer Staaten auf höchstem technischen Niveau wie Deutschland unglaubwürdig werden. Es gibt, seit es Atomkraftwerke gibt, Menschen, die gesagt haben, dass diese nicht sicher sind. Sie hatten recht. Und es gibt Menschen, die behauptet haben, die Atomkraftwerke seien sicher. Sie haben sich geirrt. Die Integrität und Glaubwürdigkeit von Politiker/innen, die bislang Atomkraftwerke mit dem Argument, sie seien sicher, befürwortet und ihren Betrieb beschlossen haben, hängt meines Erachtens nun davon ab, ob sie ihren Irrtum einsehen und zugeben können. Denn Selbsterkenntnis ist der erste und unabdingbare Weg zur Besserung. Ohne die Anerkennung der Wahrheit und das Eingeständnis “ich habe mich geirrt” bleiben alle Kehrtwendungen dieser Politiker bloßes Taktieren.

Gedanken zur Atomkatastrophe in Japan

März 13, 2011 § 2 Kommentare

Allenthalben, selbst von ehemaligen Gegnern der Anti-Atomkraft-Bewegung, wird nun propagiert, die Energieversorgung müsse schneller auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Die Katastrophe in den Kernkraftwerken in Japan ist aber nicht Ausdruck der falschen Methoden der Energieerzeugung. Sie ist Ausdruck der Krise einer mittlerweile global gültigen Ideologie gemäß derer der Sinn (im entsprechenden materialistischen Jargon: die Funktion) des menschlichen Lebens darin besteht, zu konsumieren statt zu denken, oder um es mit Erich Fromm zu sagen, zu haben statt zu sein. « Den Rest dieses Eintrags lesen »